Die Geschichte kam mir das erste Mal
während den Schreibarbeiten zum "Sacrifice" in den Kopf. Ich
hatte gerade Baldur's Gate II gespielt, wobei mir eine Quest sehr gut gefiel:
Die mit dem roten Drachen. Die Story der Quest ist folgende:
Zunächst wird man in der Stadt Athkatla von dem zwielichtigen Fürsten
Firkraag angeheuert, der einen in eine Region namens "Windspeerhügel"
einlädt, um dort ein paar Oger für ihn zu beseitigen. Am Ort des
Geschehens eingetroffen, findet sich auch wirklich eine Gruppe Monster an.
Nachdem die Oger besiegt wurden, stellt sich jedoch heraus, dass die Monster
nur eine Illusion waren - in Wahrheit tötete man mit seiner Party eine
Gruppe von Paladinen! Kurz nach dem Kampf trifft man auf Garren Windspear,
der die Party zu sich nach Hause einlädt. Dort angekommen, erzählt er
von Firkraag und wie dieser ihn auf üble Weise traktierte.
Bei der folgenden Übernachtung im Haus wird jedoch die Tochter Windspears
von Firkraags Schergen entführt. Garren bittet die Gruppe natürlich,
ihm sein Mädchen zurückzuholen. Nachdem sich die Party durch den
Dungeon durchgeschlagen hat, kommt sie in der Höhle Firkraags an, der
sich als gewaltiger, roter Drache entpuppt. Er offenbart, mit dem Hauptcharakter
des Spiels nur ein böses Spiel getrieben zu haben, um ihn ein wenig zu
quälen und mehr über seine düstere Herkunft herauszufinden.
Anschließend lässt er die Gruppe laufen und gibt ihr die Möglichkeit
Windspears Tochter zu befreien. Ob man den (äußerst starken) Drachen
tötet oder ihn am Leben lässt, bleibt einem selbst überlassen.
Lesern dürften die Parallelen sicher schon aufgefallen sein. Mein Grundgedanke bei dieser Geschichte war zunächst "Was wäre, wenn diese Abenteurergruppe nie gekommen wäre?". Ich wollte den Handlungsschwerpunkt mehr auf das Mädchen verlegen und darauf, was sie in dieser Situation durchmachen muss. Ich hatte nur die Namen der Figuren und Gebiete abgeändert.
Im Spätsommer 2001 fing ich dann an, die Geschichte zu schreiben. Die ersten Seiten schrieben sich noch ein wenig schleppend, später floss mir der Text aber nur so aus den Fingern. Nachdem ich ca. 18 DIN A4-Seiten geschrieben hatte, bemerkte ich jedoch, dass ich in einer Sackgasse steckte. Ich hatte drei weitere Randfiguren eingeführt, die zwar in den Ansätzen durchaus gelungen, aber irgendwann einfach nicht mehr ordentlich in den Geschichtsverlauf einzubinden waren. Sie wurden überflüssig, also musste ich sie herausschneiden - und dabei 15 Seiten wieder verwerfen. Das war natürlich ein ordentlicher Rückschlag und es hat danach auch ein wenig gedauert, bis ich wieder anfing, weiter zu schreiben...
Einigen werden sicherlich die starken Parallelen zur Vorgänger-Geschichte "The Sacrifice" aufgefallen sein. Diese Ähnlichkeiten sind mir auch erst aufgefallen, nachdem ich mit der Drachenträne zur Hälfte fertig war, also an einem Zeitpunkt, wo ich weder umkehren konnte, noch wollte. Außerdem waren es trotz der äquivalenten Details zwei sehr unterschiedliche Geschichten, die sich nicht allzusehr ähnelten.
Anfang Dezember 2001 stellte ich die Geschichte fertig und schickte sie, wie beim Vorgänger, erstmal an das Drachental, wo sie auch heute noch ausgestellt ist und momentan am dortigen Wettbewerb teilnimmt - ob die Story dort große Chancen hat, das weiß ich nicht. Es ist mir auch nicht so wichtig...wäre aber schön! :-)
Insgesamt habe ich also - von den ersten Gedanken bis zur fertigen Geschichte - ca. 10 Monate gebraucht.
Ich habe in die Geschichte natürlich wieder einige kleine Anspielungen
und Details eingebaut, die einem vielleicht nicht gleich auffallen...
Meine Lieblingsstelle in der Geschichte ist natürlich die Hommage an
der BGII-Gruppe, die kommt, um den Drachen zu töten. Ich habe sie absichtlich
als einen Mix aus AD&D-, DSA- und Diablo-Party gestaltet, um es sämtlichen
Abenteurergruppen dieser Welt heimzuzahlen: Es ist ganz und gar nicht so einfach,
einen ausgewachsenen Drachen zu töten! Viele Gruppen denken sich in ihren
Abenteuern nichts dabei, gehen in die Drachenhöhle - und besiegen den
Drachen. Sie sind ja natürlich die Helden. Das die Wahrheit ganz anders
aussehen würde, wollte ich in diesem Abschnitt einfach mal mit einem
kleinen (wenn auch blutigem) Augenzwinkern verdeutlichen... :-)
Außerdem wollte ich nicht die Originalnamen aus BGII übernehmen,
also habe ich mir teilweise selbst Namen ausgedacht (Elyssa), abgeändert
(Windspeer <> Schneedolch) oder aus dem Add-On des Spiels übernommen
(Saladrex ist ein roter Drache, den man im Add-On antrifft).
Der Knackpunkt am Ende, dass Saladrex in der Lage ist, Gedanken lesen zu können,
ist mir quasi beim Schreiben dieses Abschnitts eingefallen. Zwar ist dies
eine der auffallendsten Parallelen zum Sacrifice, aber sie fügt sich
meiner Meinung nach trotzdem ganz gut in die Geschichte ein...außerdem
gibt sie der ganzen Angelegenheit noch eine gewisse Logik - Stellen, wo diese
genommen wird, habe ich noch nicht gefunden... :-)
Naja, ich hoffe jedenfalls, ihr hattet Spaß mit dieser Geschichte. Obwohl das bei dem düsteren Grundton eher schwierig wird... :-)