Story:
Hrothgar feiert ein Fest. |
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Infos:
Originaltitel: Beowulf; USA 2007
Filmlänge: 115 Minuten
Regisseur: Robert Zemeckis
Darsteller: Ray Winstone, Anthony Hopkins, Angelina Jolie, John Malkovich
FSK: ab 12
Gesamtwertung des Films: 5/10

Rezensionen zum Film "Die Legende von Beowulf"
Docs Rezension
Hwæt! Wé Gárdena in géardagum þéodcyninga
þrym gefrúnon hú ðá æþelingas ellen
fremedon. Was dem Deutschen sein Nibelungenlied ist dem Angelsachsen sein Beowulf.
Helden, Könige, Powerfrauen, Drachen - es ist alles mit drin. Ich könnte
jetzt schön auf so Sachen eingehen wie den netten Ringschluss, dass die
Welle von Fantasyfilmen, die Peter Jacksons "Der Herr der Ringe" hervorbrachte,
nun Nährboden für eine Verfilmung des Beowulf-Gedichts stellt, welches
seinerzeit entscheidende Inspiration für Tolkiens Werk war, aber eigentlich
möchte ich nur erzählen, wie scheiße und gleichzeitig total
lustig Robert Zemeckis' "Die Legende von Beowulf" ist. Mit der anfangs
zitierten Zeile, sprich der literarischen Vorlage hat der Film nämlich
nicht mehr viel gemein. Dabei ist die Story ja durchaus noch erkennbar. Partylöwe König Hrothgar
schmeißt ein Fest bei sich zuhause und feiert mit seinen Leuten so laut,
dass er das Nachbarsmonster Grendel um den wohlverdienten Schlaf bringt, welches
einen auf Spielverderber macht und die Party mit einem kleinen Gemetzel beendet.
Um die nun offene Nachbarschaftsfehde zu beenden, bedarf es eines Helden - Stichwort
für Beowulf, den krassesten Monsterchecker der Welt, der mit seinen Astrogauten
über die See geschippert kommt, um den Kammerjäger zu spielen. Grendel
möchte erneut die Böser-Hausmeister-Nummer abziehen, leiht aber stattdessen
Beowulf ein Händchen, beziehungsweise seinen ganzen Arm und geht zu Mami
heulen bzw. sterben. Deine Mutter sieht das gar nicht gerne und verarbeitet
Beowulfs Mannen zu Räucherfleisch, woraufhin der Held vom Erdbeerfeld ihr
einen Hausbesuch abstattet, um eine förmliche Beschwerde in Form mehrerer
Schwerthiebe vorzubringen. Mutti verwandelt sich jedoch in die attraktivste
Frau, die fünfzehn Jahrhunderte später auf Erden wandelt, was die
Verwendung von Beowulfs anderem Schwert nötig macht. Der Beweis solcher
Manneskraft reicht aus, um ihn zum König zu krönen und die Geschichte
um mehrere Jahrzehnte vorzuspulen, wo Beowulf nur noch ein alter Sack ist. Dem
kommt es da schon fast gelegen, dass sein außereheliches Schäferstündchen
einen Sohn hervorgebracht hat. Da ja hier jeder macht, was er will, verwandelt
sich der Wonneproppen kurzerhand in einen Drachen, der gerne Beowulfs Königreich
niederbrennen und seine Frauen verschnabulieren würde. Also wird es Zeit,
den Sohnemann mal richtig ans Herz zu nehmen und ganz fest zuzudrücken. Na ja, so groß sind die Abwandlungen zum Heldenliedchen ja vielleicht
doch nicht. Eigentlich reicht das ja, um (wie angekündigt) eine düstere
und damit halbwegs akzeptable Fantasyverfilmung des Stoffes hervorzubringen.
Dabei ist Herr Zemeckis ganz weit über das Ziel hinaus geschossen. Anscheinend
untersteht er dem Wahn, er habe mit der Motion Capture-Technik aus "Der
Polarexpress" ein neues Zeitalter des Kinos eingeläutet, dessen nächster
Vorreiter jetzt "Beowulf" sein soll. Schließlich findet sich
auch hier nichts Reales, sondern nur computeranimierte Figuren, die Persönlichkeiten
wie Anthony Hopkins, John Malkovich oder Angelina Jolie erschreckend ähnlich
sehen. Anscheinend ist es nur ein grandioser Fall von Selbstüberschätzung,
wenn er seine Filme ab jetzt immer in diesem befremdlichen Stil dreht und meint,
Prophet einer neuen Kinoära zu sein. Natürlich sieht es schick aus
und so weiter, aber mal ehrlich: Was soll der Mist? So einen Look erwarte ich
bei Computerspielen, aber nicht im Kino. Aber dann ist es ja auch offensichtlich,
dass die Optik sehr auf einen 3D-Effekt getrimmt ist, den man in normalen Kinos
nicht erleben kann - mit Spezialbrille sieht es also wahrscheinlich noch viel
toller und so aus. In allererster Linie ist "Beowulf" jedenfalls eine
Stilübung, die jedoch weniger Ästhetikcharakter besitzt wie bspw.
das diesjährige "300", sondern einfach nur merkwürdig aussieht.
Inhaltlich wird die ganze Sache noch viel merkwürdiger, denn kaum ein Film
in letzter Zeit nahm sich gleichzeitig so bierernst und war so unglaublich trashig.
Irgendwann kann man da nur noch kichern, spätestens, wenn Beowulf von einem
riesigen Seemonster verschluckt wird, sich Sekunden später durch dessen
großes Auge herausschneidet und von einer riesigen Blutfontäne begleitet
laut "Ich bin Beowulf!" gen Kamera schreit, weil das jetzt einfach
mal gesagt werden musste. Seiner Identität muss sich der Held noch häufiger
während der Geschichte lautstark versichern - wahrscheinlich hat der so
'nen Kleinen, hi hi! Den sieht man leider nicht, auch wenn sich Beowulf vor
seinem Kampf mit Grendel allen Ernstes splitternackt auszieht, was in zahlreichen
Kameraeinstellungen resultiert, auf die selbst Austin Powers neidisch wäre.
Auch wenn Beowulf keine einzige Gelegenheit auslässt, sich sein Hemd aufzureißen
und sein Sixpack zu zeigen - 3D-Dick bleibt uns erspart. Dafür darf man
später wenigstens ungehindert auf Angelina Jolies nackte Titten starren
- 1:0 für die Männer! Aber allen Schabernack beiseite nimmt sich "Beowulf" selbst tatsächlich
total ernst. Wahrscheinlich versteht sich der Film als ernsthafte Interpretation
des Gedichts, die selbst Elemente wie die damalige Christianisierung aufgreift.
Da werden dann Grendel, Mami, der Drache und auch Beowulf zum Symbol für
eine archaische Zeit voller Wunder, die sich im Zeichen des Kreuzes als Relikte
der Vergangenheit sehen. Es wäre ja ach so melancholisch und Zeugs, wenn
es nicht zwischendurch so völlig auf Overdrive schalten würde. Sorry,
aber einen Film, in dem der Held drei Minuten lang in den Hals eines fliegenden
Drachen greift, um dort dessen Herz zu zerquetschen, welches er vorher mit einem
Dolch nicht erreichen konnte, kann ich einfach nicht so ernst nehmen, wie der
es an anderer Stelle gerne hätte. Meine Erdkundekenntnisse mögen auch
nicht die besten sein, aber 1000 Meter hohe Gebirge machen sich in Dänemark
doch auch eigentlich eher rar? Man sollte das Kino also mit einer gehörigen
Portion Humor betreten und über die Stellen, in denen langweilig ernsthafte
Dialoge vorgetragen werden, einfach mal übersehen. Dann wird man durch
lustige Actioneinlagen von tollkühnen Legenden ganz gut unterhalten. Oder
man schaut sich zuhause nochmal "300" an - da heißt es dann
nicht mehr "ICH BIN BEOWULF!", sondern "DAS IST SPARTA!"
Kann man sich aussuchen, was man jetzt intelligenter findet.
Fazit:
Hochglanztrash und Langeweile, dicht an dicht. Anglisten weinen, Jugendliche johlen.
Wertung: 5 /10
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